Erblich und hormonell bedingter Haarausfall

 

Wenn die Haare besonders im Scheitel- und Stirnbereich lichter werden, handelt es sich wahrscheinlich um einen erblich oder hormonell bedingten Haarausfall. Die Tendenz zum Haarverlust wurde von den Eltern vererbt. Nicht nur 80% aller Männer, sondern auch Frauen sind von dieser Form betroffen. Bei Männern beginnt es gewöhnlich dergestalt, dass der Haaransatz zurückgeht und die sogenannten Geheimratsecken entstehen. Später werden die Haare am Hinterkopf weniger, bis am Ende nur noch der Haarkranz übrig ist. Bei Frauen wird das Haar dünner und lichtet sich schließlich im Scheitelbereich, anschließend kann sich der Haarverlust weiter über den Oberkopf ausbreiten. In seltenen Fällen tritt bei Frauen dasselbe Muster auf wie bei Männern.

 

Kleiner Tipp: Einen Hinweis darauf, ob sich bei Ihnen Haarausfall entwickelt, finden Sie bei Ihrem Großvater mütterlicherseits. Hat er bis ins Alter volles Haar, ist bei Ihnen starker Haarausfall relativ unwahrscheinlich. Denn auf dem X-Chromosom, welches von der Mutter weitergegeben wird, befinden sich Gene, die für den Haarwuchs verantwortlich sind.

Ursachen

Diese Form des Haarausfalls hat drei Ursachen, die meist miteinander wirken und so zusammen die typische Form des androgenetischen Haarausfalls verursachen. 

Die erste Ursache des sog. androgenetischen Haarausfalls ist eine erblich bedingte Sensibilität der Haarfollikel gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT). DHT ist die aktive Form des männlichen Hormons Testosteron, doch auch Frauen zählen zu den Betroffenen. Der Hormonspiegel im Blut muss nicht zwingend erhöht sein, da es sich um eine Veranlagung zur Überempfindlichkeit handelt. Die Haarwuchszyklen werden immer weiter verkürzt, bis die Haarwurzeln schließlich verkümmern. Die Haare im Nacken und an den Seiten des Kopfes haben diese Empfindlichkeit nicht, sie bleiben auch bis ins Alter weitgehend erhalten.

Zweite Ursache sind Stress und Anspannung. Durch Verspannungen in der Kopfhautmuskulatur wird die Durchblutung und somit die Versorgung der Haarwurzeln gestört. Die feinen Blutgefäße in der Kopfhaut werden zusammengepresst, das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen. Nährstoffe gelangen nicht mehr in ausreichendem Maße zu den Haarfollikeln und entstandenes DHT sammelt sich, die Haarwurzeln verkümmern. Als erstes Fallen die Haare dort aus, wo die Spannung am größten ist, an den Geheimratsecken. Begleiterscheinungen sind ein Kribbeln oder Brennen der Kopfhaut.

Als dritter Auslöser ist die Ernährung anzuführen. Sie wird in ihrer Wirkung als Verursacher meist unterschätzt. Bei einer ausgewogenen Ernährung wird der Körper mit allen notwendigen Nähstoffen versorgt. Viele Menschen achten jedoch nicht darauf, sich gesund zu Ernähren, und greifen aus Zeitgründen zu Junkfood und Fertiggerichten. Selbst wenn die Kophautmuskulatur entspannt und die Durchblutung ungestört ist, kann ein gesundes Haarwachstum nur dann gewährleistet werden, wenn der Körper auch alle notwendigen Nährstoffe und Spurenelemente erhält.

Dauer/Entwicklung

 
Dieser Haarausfall kann bei Männern oftmals schon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren mit Geheimratsecken oder einer hohen Stirn beginnen, bei Frauen beginnt er meist erst ab  50 Jahren mit einem lichter werdenden Scheitelbereich. Bei Männern bildet sich später häufig ein kahler Bereich am Wirbel, genannt Tonsur. Bei beiden Geschlechtern breitet sich der Haarausfall über den Oberkopf aus, doch bei Frauen ist die Ausbildung einer Vollglatze sehr selten.

 

Behandlung/Therapie

 

Es gibt Medikamente, die die Empfindlichkeit der Haarfollikel herabsetzen und somit den Haarausfall stoppen. Ein anderer Weg ist, die Konzentration des DHT zu verringern. Zu diesem Zweck gibt es Präparate, die die Umwandlung des Testosteron zu DHT lokal verhindern. Viel einfacher und effektiver lassen sich Haaransatz und frühere Haarpracht durch Haarersatz wieder herstellen.

 

Da Stress und Durchblutungsstörungen ebenfalls zu den Verursachern gehören können Entspannungstherapien und eine Anregung der Durchblutung auch zum Erfolg führen. Durch eine Laser-Therapie kann die Durchblutung der Kopfhaut nachhaltig verbessert werden.

 

Eine ausgewogene Ernährung ist beim Kampf gegen den Haarausfall unverzichtbar. Diese kann zusätlich durch Nahrungsergänzungspräparate mit Aminosöuren und Proteinen unterstützt werden.

Kosmetische Lösungen

Die kosmetische Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall hat eine lange Geschichte.

Kurzer Prozess

Die naheliegendste Reaktion auf den Haarausfall ist, die verbleibenden Haare ebenfalls abzuschneiden. Dies ist natürlich nur eine Option für Männer. Auch entgegen von Erwartungen steht einigen Männern die Typveränderung zu einer Glatze sehr gut.

Haarersatz

Eines der ältesten Hilfsmittel zur kosmetischen Behandlung von Haarausfall ist der Haarersatz. Mit hightech Materialien und echtem menschlichem Haar ist moderner Haarersatz nicht mehr von normal gewachsenem Haar zu unterscheiden, nicht einmal vom Träger selbst.

Haarverdichtung

Eine Möglichkeit lichter werdendes Haar kosmetisch zu behandeln bietet die Haarverdichtung. Dabei wird ein Gewebe, an dem farblich abgestimmte Echthaarsträhnen befestigt sind, am Eigenhaar befestigt und in dieses integriert. Es ist auch möglich zusätzliche Strähnen direkt am Eigenhaar zu befestigen.

Puder

Der kosmetischen Behandlung von schütterem Haar kommen neue Entwicklungen der Materialforschung und Nanotechnologie zu Gute. Kleine Partikel aus modernen Werkstoffen werden in Form von Puder auf das Haar und die Kopfhaut aufgetragen. Diese Partikel lagern sich an das vorhandene Haar an und geben diesem mehr Fülle und Dichte. Diese Methode ist besonders einfach und kann auch zu Hause ohne professionelle Hilfe angewendet werden.

Haartransplantation

Ebenfalls sehr populär ist die Haartransplantation. Dabei werden Haare aus verschiedenen Bereichen des Körpers entfernt und auf dem Kopf wieder eingepflanzt. Diese Methode der kosmetischen Behandlung ist sehr kostenintensiv und immer mit dem Aufwand eine Operation und ihren Risiken verbunden. Sie eignet sich auch nur bei wenigen anderen Arten des Haarausfalls und Erfolg ist nicht garantiert.